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Schluss mit Schuldgefühlen! Durch Vergebung zum Neubeginn

Ich kann mich sehr gut an den Moment erinnern, als meine Seele mich innerlich anstupste und zu mir sagte: „Es wird Zeit, Einzelsitzungen zu geben.“

Anstatt mich über diesen Impuls zu freuen, kam bei mir eine Wolke aus diffusen Schuldgefühlen hoch.

Blitzartig war auf einmal ein Gedanke da: „Wenn ich meine Stärke wieder lebe und meine Weisheit einbringe, dann wir etwas Fürchterliches geschehen.“

Heute weiß ich, dass wir unsere wahre Stärke erst dann entfalten können, wenn wir mit unserer Vergangenheit Frieden geschlossen haben.

Es wird Zeit, uns der Vergangenheit zu stellen und sie zu erlösen.

Bist du bereit, dich durch die Vergebung zum Neubeginn führen zu lassen?

Du hast dein Bestes gegeben

Meine Seele hat mich dazu eingeladen, die Anteile von mir wahrzunehmen, die sich schuldig fühlen. Da gab es viele Anteile – viele aus vergangenen Leben – die Verantwortung für andere übernommen haben. Verantwortung für ihren Stamm, ihre Familie, ihre Gruppe oder Gemeinschaft.

Ich war es gewohnt, mich für andere verantwortlich zu fühlen und für sie zu sorgen. Ich war es gewohnt, andere zu beschützen, zu heilen und ihnen auf ihrem Weg zu helfen.

Doch immer wieder habe ich erlebt, dass alles zerstört wurde, was ich aufgebaut habe. Tempel wurden zertrümmert, Menschen umgebracht, vertrieben und gequält.

Wir brauchen gar nicht weit zurückzublicken um die Dunkelheit unserer Geschichte deutlich zu erkennen.

Und ich konnte es nicht verhindern.

Ich konnte nicht alle beschützen, die ich schützen wollte.

Ich konnte nicht alle retten, die ich retten wollte.

Zurück blieb eine tiefe Verzweiflung, eine lähmende Schuld.

Ich habe mir geschworen: Nie wieder!

Ich will nie wieder Verantwortung tragen, ich mache ja doch alles falsch.

Ich will nie wieder meine Stärke zeigen.

Ich will nie wieder mein Wissen teilen.

Ich will nie wieder sichtbar sein und mich angreifbar machen.

Durch die Augen der Seele schauen

Es war ganz wichtig für mich, diesen Teil meiner Geschichte mit meiner Seele zu betrachten. Zu sehen, dass Krieg und Zerstörung nicht von mir persönlich verursacht wurden.

Menschen sind über Jahrtausende hinweg tiefer in die Dunkelheit abgestiegen.

Kein einzelner Mensch kann dafür verantwortlich gemacht werden.

Es ist eine universelle Schuld, die uns signalisiert, dass da etwas nicht in Ordnung ist.

Als erwachende Menschen ist es besonders wichtig, dass wir diese universelle Schuld nicht persönlich nehmen. Denn sie kann dich tatsächlich lähmen und daran hindern, deine Fähigkeiten zu entfalten.

Du kannst nicht die Schuld aller Menschen tragen –

Doch du kannst Verantwortung übernehmen für deinen Teil des Ganzen.

Entschuldigung!

Es gibt Bereiche, in denen unser persönliches Handeln negative Auswirkungen hatte. In Momenten der Unbewusstheit, in Angst, Schmerz oder Hass haben wir andere und uns selbst verletzt.

Ich fand es sehr berührend, als ich vor vielen Jahren einem Schwertkämpfer in meinem Inneren begegnet bin.

Es fühlte sich so an als würde er in einem blinden Rausch auf dem Schlachtfeld stehen und sein Schwert schwingen.

Mit Entsetzen stellte ich fest: Auch das ist ein Teil von mir!

Zuerst habe ich den Anteil abgelehnt und fand es einfach furchtbar, dass so ein blutrünstiger Kerl zu mir gehören soll.

Doch meine Seele zeigte mir, wie einsam und müde dieser Schwertkämpfer ist. Sie ließ mich sehen, dass er von klein auf gelernt hat, dass Kämpfen ein guter Weg ist.

Und auf einmal konnte ich Verständnis für ihn aufbringen.

Mit jedem weichen Atemzug habe ich den Schwertkämpfer eingeladen:

„Komm heim. Komm heim. Komm heim in die Mitte, in die Geborgenheit.“

Es gab einen Moment, da nahm mich der Schwertkämpfer wahr. Er hat diese liebevolle Energie wieder erkannt, die ihn gerufen hat.

Atemzug für Atemzug durfte er in meine Mitte schmelzen.

Meine Seele hat ihn liebevoll in die Arme genommen.

Sie hat ihn eingeladen, seine Stärke und seinen Mut auf neue Weise einzubringen.

Sie hat ihm erlaubt, seine alte Rolle abzustreifen und hat ihn gefragt, was er eigentlich gerne machen möchte.

Da stutzte er zunächst und meinte dann: „Ich wollte immer schon etwas aufbauen. Ich wollte immer schon etwas wachsen lassen und das Neue behüten.“

Heute hat mein innerer Schwertkämpfer – der sein Schwert nur noch aus dekorativen Gründen trägt – die ehrenvolle Aufgabe meine Mitte zu stärken und meine Grenzen zu hüten.

Er teilt seine Beobachtungen mit mir und dient der Liebe in meinem Inneren.

Er hat seinen Platz gefunden.

Er ist Teil des Friedens geworden.

Lass den Zeigefinger sinken

Ich habe im Laufe meiner eigenen Entwicklung meinen verurteilenden Zeigefinger sinken lassen. Für mich macht es keinen Sinn, mich selbst oder andere zu verurteilen.

Wie kann ich andere für etwas verurteilen, das ich selbst in mir trage?

Wie kann ich auf andere herab schauen, wenn ich selbst am Lernen bin?

Wie kann ich ungeduldig werden, wenn ich selbst meine Geduld brauche?

Ich glaube, dass es die Liebe in unserem Inneren ist, die unsere Augen öffnet.

Dann können wir auch unsere Fehler und Schwächen mitfühlend wahrnehmen. Wir können unsere dunkle Seite liebevoll in die Arme nehmen und einen neuen Weg einschlagen.

Diese mitfühlende Haltung erlaubt uns, anderen Menschen offen zu begegnen. Es gibt Raum für die Anteile in uns, die heilen wollen.

Die kriegsmüden Soldaten dürfen heimkehren, die erschöpften Heilerinnen dürfen ausruhen.

Es wird Zeit für einen Neubeginn.

Es wird Zeit, dich selbst mit liebevollen Augen zu betrachten.

Es wird Zeit zu erkennen, dass du dein Bestes gegeben hast – damals und heute.

Es wird Zeit, dich selbst in die Arme zu nehmen.

Es wird Zeit heimzukehren.

Es wird Zeit für Frieden.

Atme weich.

Atme weich.

Lass dich ankommen.

 

Bild: Fotolia | © evgenyatamanenko