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Wie klingt Liebe? (Wie ich bewusst mit meinen Emails umgehe)

In der Onlinewelt, in der es heute unzählige Kommunikationsmöglichkeiten gibt, herrscht vielerorts die Tendenz, dass Hass, Spott und negative Kritik voll ausgelebt werden.

Neulich wurde ich auf Facebook gefragt, ob es falsch sei, sich von hasserfüllten Menschen abzugrenzen: „Ist nicht jeder Mensch ein Spiegel und jede Erfahrung ein Zeichen dafür, dass ich etwas zu lernen habe?“

Heute möchte ich ein großes Missverständnis klären, das viele spirituelle Menschen betrifft. Möchtest du wissen, warum ich nicht auf hasserfüllte Emails antworte?

„Hinnehmen“ oder „Annehmen“

Ich empfinde es als sehr wertvoll, wenn wir uns als bewusste Menschen darüber Gedanken machen, was die Reaktionen anderer mit uns selbst zu tun haben. Oftmals lernen wir auf diese Weise mehr über unsere eigenen blinden Flecken.

Doch ich beobachte, dass viele spirituelle Menschen damit ins Extrem gehen.

Vor allem wenn ich höre, dass sich jemand ständig von anderen niedermachen lässt, kritische Aussagen und bissige Bemerkungen einfach runterschluckt und glaubt: „Wenn es in mein Leben kommt hat es schließlich etwas mit mir zu tun.“

Aus dem lebendigen Annehmen wird auf einmal ein passives Hinnehmen. Wir schlucken alles was von außen kommt, nehmen alles einfach hin und überlassen die Gestaltung unseres Lebens dem Zufall. Ist das wirklich sinnvoll?

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Hass oder Liebe – was wählst du?

Es gibt grundsätzlich zwei Haltungen die wir als Menschen einnehmen können:

Die liebevolle Haltung bringt uns in Verbindung mit uns selbst und anderen. Liebe erlaubt uns, uns zu öffnen, uns zu entwickeln und das in die Welt zu bringen was wir zu geben haben.

Die hasserfüllte Haltung trennt uns von uns selbst und anderen. Wenn wir Hass ausstrahlen ziehen wir uns zusammen und verhärten uns. Wir vergiften uns selbst oder andere und es kann nichts mehr wachsen.

Du kannst das an ganz alltäglichen Dingen bemerken. Wenn du frustriert bist und anfängst dich selbst innerlich niederzumachen und alles aufzuzählen, was dir an dir nicht gefällt – wie fühlst du dich?

Oftmals erleben wir regelrechte körperliche Schmerzen die durch den Hass entstehen. Auf jeden Fall fühlen wir uns nicht kreativ, nicht im Fluss – und wenn uns andere Menschen in dem Moment begegnen, kann es leicht passieren, dass uns der Kragen platzt und unser Hass blind in die Welt explodiert.

Hass zerstört. Hass verbreitet Kälte.

Liebe erlaubt uns zu wachsen. Liebe verbreitet Wärme.

Was lässt du in deinen Raum hereinkommen?

Als ich mich selbständig machte, hatte ich große Angst, mich in der Welt zu zeigen. (Auch heute kann es mir noch passieren, dass ich Angst habe, wenn ich mehr von meinem Ausdruck sichtbar mache und teile.)

Ich wusste dass es viele Menschen gibt, die alles hassen was nicht in ihr Bild von Normalität passt. Ich wusste auch, dass ich für diese Menschen wie ein rotes Tuch bin, eine Art Zielscheibe, wenn ich meinen eigenen Weg gehe.

In den ersten Jahren meiner Selbständigkeit habe ich häufig hasserfüllte Emails erhalten. Meistens waren es Emails in denen jemand, der durch mich und meinen Ausdruck getriggert wurde, seinen Hass an mir abgelassen hat.

Manchmal erhielt ich hasserfüllte Emails im Bezug auf meine Preise:

„Was fällt dir ein für deine Arbeit Geld in Anspruch zu nehmen? Du bist doch spirituell! Du musst deine Arbeit kostenlos zur Verfügung stellen!“

Manchmal erhielt ich hasserfüllte Emails im Bezug auf meine Arbeitsweise:

„Wenn ich deine Stimme höre wird mir übel. Immer nur liebevoll, immer nur behutsam – so ein Schei*!“

Manchmal erhielt ich hasserfüllte Emails, weil ich nicht auf Emails geantwortet habe:

„Ich finde es so unverschämt, dass du nicht auf meine Email antwortest. Andere Leute beantworten ihre Emails auch selbst. Du bist doch nur faul!“

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Dem Hass begegnen

Die Teilnehmer der Oase und meiner Onlinekurse wissen, dass ich immer wieder darüber spreche, dass wir zunächst einmal üben mit dem zu sein was ist.

Genau das habe ich dann auch mit den hasserfüllten Emails getan. Ich habe sie gelesen und gespürt, wie die giftigen Pfeile mich durchbohren.

Manchmal habe ich geweint.

Manchmal musste ich lachen.

Manchmal tat es einfach weh.

Manchmal wollte sich etwas in mir verteidigen und mit der Person diskutieren. Etwas in mir sagte: „Aber ich bin doch gar nicht so, wie derjenige mich gerade sieht.“

Die Übung mit dem Hass zu sein war sehr befreiend und hat mir sehr viel Angst genommen. Ich bin selbstbewusster geworden. Ich traue mich immer mehr, zu sagen was ich meine, ohne Angst zu haben, dass ich hasserfüllte Reaktionen erhalte.

Doch eines Tages spürte ich, dass ich auf der Stufe meiner Entwicklung nicht stehen bleiben möchte…

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Ein liebevolles Leben erschaffen

Für mich bedeutet Spiritualität nicht nur zu üben, zunächst einmal mit allem zu sein was uns begegnet – sondern es bedeutet für mich auch, das eigene Leben bewusst zu erschaffen.

Als Mensch hast du die Möglichkeit, dein Leben und die Räume deines Lebens bewusst zu gestalten. Du kannst in vielen Situationen entscheiden, welche Menschen du in dein Leben einlädst und welche nicht.

Na klar, es gibt Momente da können wir nicht wählen, zum Beispiel neben wem wir im Flugzeug sitzen. Doch oft können wir wählen, zum Beispiel ob wir jeden Nachmittag mit einer hasserfüllten Nachbarin verbringen und uns ihr Geläster anhören.

Ich bin der Ansicht, dass es wichtig ist, bewusst zu wählen, welche Menschen wir in unser Leben einladen und auf welche Weise wir anderen Menschen begegnen wollen.

Liebevolle Kommunikation

Ich habe bemerkt, dass ich in den Räumen von meinem Seelen-Business eine achtsame, liebevolle Kommunikation pflegen möchte. Das betrifft die Kommunikation mit meinem Team, mit anderen Helfern, mit den Teilnehmern meiner Kurse oder den Bewohnern meiner Oase – und natürlich auch mit mir selbst.

Liebevoll bedeutet nicht unbedingt „lieb“, oder „brav“ oder „angepasst“.

Liebevoll bedeutet sehr wohl, dass es Momente gibt, wo wir über unbequeme, schmerzvolle Dinge sprechen – aber wir versuchen es auf eine wertschätzende, bewusste Weise zu tun.

Perfekt ist niemand und es gibt sicherlich Momente, da rutscht uns etwas raus, was wir besser nicht gesagt hätten. Und das ist okay, solange die grundlegende Richtung liebevoll ist und wir uns immer wieder daran erinnern.

Du darfst hasserfüllte Emails einfach löschen

Heute habe ich ein Team von Helfern das mir bei der Beantwortung von meinen Emails behilflich ist, da ich das längst nicht mehr alleine schaffen würde.

Meine wundervolle Assistentin hat die Aufgabe, mir jede Woche alle gesammelten Rückmeldungen zu schicken, die ich zu meinen Blogs oder zu meinem Newsletter erhalte. Ich lese sie immer mit sehr viel Freude.

Alle hasserfüllten Rückmeldungen darf sie für mich löschen.

Es war eine Entscheidung, die sehr viel Entschlossenheit gebraucht hat, denn lange Zeit dachte ich, ich muss die hasserfüllten Emails lesen, damit ich wenigstens weiß, ob etwas Schlimmes über mich gesagt wird 😉 Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass ich mir selbst und der Welt besser dienen kann, wenn ich mich auf meine Aufgabe konzentriere – nämlich darauf, noch mehr Liebe in den kleinen Teil meiner Welt einzubringen.

Heute merke ich, dass es mir gut tut, dass mein Seelen-Business ein kraftvolles Immunsystem hat. So wie ein gesunder Körper alle schädlichen Stoffe herausfiltert, so filtern auch wir das heraus, was nicht förderlich und heilsam für unser Seelen-Business ist.

Die Folge davon ist, dass die Räume meines Lebens immer wärmer und liebevoller werden. Ich kann Blogbeiträge schreiben und Dinge zum Ausdruck bringen, die nur zum Vorschein kommen, weil ich mich sicher und wohl fühle.

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Ist das fair?

Wir sind es gewöhnt in einer Welt zu leben, die so hart und hasserfüllt ist, dass wir uns oftmals gar nicht vorstellen können, diesen Hass nicht länger stumm runterzuschlucken.

Ich empfinde es als sehr heilsam, dass bewusste Menschen ihr Leben liebevoll gestalten. So entstehen in einem Ozean aus Hass lauter kleine liebevolle Inseln. Diese Inseln dürfen mit der Zeit größer werden und sich miteinander verbinden.

Wichtig finde ich, niemanden zu verurteilen, der gerade blind seinen Hass auslebt. Klar spüren wir alle, dass es nicht okay ist, aber es ist wichtig denjenigen mitfühlend wahrzunehmen. (Vor allem weil wir alle nicht perfekt sind und es jedem von uns immer wieder einmal passieren kann, dass wir in den Hass reinrutschen.) Ich habe vollstes Verständnis für den Hass, den jemand fühlt. Ich habe Verständnis für den Schmerz und die tiefen Wunden die derjenige in sich trägt. Ich weiß, dass Hass ein Versuch ist, sich selbst vor mehr Verletzung zu schützen.

Wenn ich den Menschen wahrnehme, kann ich Liebe für denjenigen empfinden.

Doch ich weiß auch, dass Hass keine wirkliche Lösung ist.

Wenn ich jemandem wirklich helfen könnte, indem ich ihm erlaube, seinen Hass an mir auszulassen, dann würde ich das tun. (Wenigstens ab und zu… 😉 )

Doch die Tatsache ist, jedes Mal wenn ich den Hass von jemandem schlucke, fördere ich die zerstörerische Tendenz in meinem Gegenüber. Ich sage ihm durch mein Verhalten: „Was du tust ist okay. Tue es weiterhin.“

Mit dem bewussten Aussteigen aus dem Hass-Spiel helfen wir nicht nur uns selbst. Wir helfen auch unserem Gegenüber.

Lernen können wir auch auf liebevolle Weise

Wenn mich jemand fragt, ob ich keine Angst habe, dass ich durch das Löschen von hasserfüllten Emails wichtige Lernschritte verpassen könnte, muss ich schmunzeln. Denn es ist eine alte Vorstellung, dass wir nur durch Hass oder Schmerz lernen können.

Meine Seele musste lange Zeit ziemlich laut rufen, bis ich sie hörte. Die harte Schale um mich herum war so dick, dass sie ordentlich gegen mich klopfen musste, bis ich sie spürte. Ich empfand die Lernschritte als schmerzhaft, weil ich so verkrampft und verschlossen war.

Doch heute sieht das anders aus.

Ich habe mich entschieden, mich wieder zu öffnen und meine Verteidigungsmechanismen schmelzen zu lassen. Ich habe mich dafür entschieden, wieder zu fühlen und präsent zu sein. Heute kann meine Seele mich sanft antippen und ich spüre es sofort. Heute kann eine winzige Auseinandersetzung tiefe Lernerfahrungen auslösen. Es muss nicht mehr so dramatisch sein.

Das bewusste Gestalten von unserem Leben ist also kein Verdrängen. Wir tun es nicht aus Angst vor etwas.

Wir tun es aus Liebe.

Aus Liebe zu uns selbst.

Aus Liebe zu dem was in unserem Leben und unserem Seelen-Business wachsen soll.

Aus Liebe zu dem Menschen der gerade seinen Hass auslebt.

Unsere stille Haltung sagt ihm: „Es gibt einen neuen Weg. Statt im außen um dich zu schlagen, halte inne. Die Lösung ist nicht bei mir oder im außen zu finden. Du trägst die Lösung in deinem Inneren.“

Bilder: Pixabay.com