Zum Inhalt springen

Coaching Sitzungen – so hilfst du deinen Klienten mit Leichtigkeit

Wenn du Menschen durch Coaching-Sitzungen auf ihrem Weg unterstützen möchtest, fragst du dich vielleicht, wie du mit deinen Klienten in Kontakt kommst.

Gerade wenn man mit der Coaching-Tätigkeit beginnt, ist der Kopf oft voll mit allen möglichen Regeln die man befolgen möchte, doch wenn wir wirklich großartige Arbeit leisten wollen, müssen wir eine neue innere Haltung einnehmen.

Heute teile ich mit dir, wie ich in meiner jahrelangen Coaching-Tätigkeit entdeckt habe, wie heilsame Begegnungen entstehen.

Deine Wunschklienten wirklich wahrnehmen

Das Telefon klingelt. Ich nehme den Hörer ab und begrüße meine Klientin. Zunächst einmal lade ich sie ein ihr Anliegen zu schildern. Schon vor Beginn der Sitzung habe ich mich innerlich vorbereitet und begonnen, meine Klientin wahrzunehmen.

Ich lasse alle meine Vorstellungen, Überzeugungen und Gedanken in die Tiefe sinken und bin einfach nur da. Ich werde zu einem offenen Raum. Ich lausche in die Stille.

Während ich die Worte höre, die gesprochen werden, nehme ich auf umfassende Weise die Energie meines Gegenübers wahr. Es spielt keine Rolle ob jemand auf dem Stuhl vor mir sitzt – oder am anderen Ende der Welt den Telefonhörer in der Hand hat. Die tiefere Wahrnehmung eines Menschen ist unabhängig von räumlicher Entfernung.

Ich kontrolliere meine Wahrnehmung nicht, sondern lasse sie frei fließen. Mal nehme ich Kleinigkeiten wahr, dann wieder ein großes umfassendes Bild.

choaching-sitzungen-leicht5

Wirf vorgefertigte Lösungen über Bord

Während ich zuhöre schweigt mein Verstand. Ich versuche nicht, hektisch nach möglichen Lösungen zu suchen. Egal wie groß das Problem sein mag, das mir mein Klient schildert – ich gebe ihm Raum.

Es spielt keine Rolle was ich darüber denke oder wie ich mit meinem Leben umgehe. Jetzt bin ich nur ein offener, liebevoller, mitfühlender Raum der sagt: „Komm an. Sei wie du bist. Lass alles zum Vorschein kommen was dich drückt. Es ist okay.“

Je mehr ich mich auf das Zuhören einlasse, umso mehr erreiche ich den Zustand, den ich mit den „leeren Händen“ bezeichne. Ich stehe mit leeren Händen da. Ich habe keine Ahnung wie das Problem zu lösen ist. Ich habe weder eine Strategie, einen vorgefertigten Plan noch ein Ziel das ich erreichen möchte. Und das ist okay. Ich stehe mit leeren Händen da. In vollem Vertrauen, dass die Lösung entsteht.

Ganz schön aufregend.

Auch wenn ich anfangs dachte, dass ich beim Zuhören eigentlich „Nichts“ tue, hat mir die Arbeit mit unzähligen Menschen bestätigt, dass in dieser Phase etwas sehr heilsames geschieht. Eine Klientin brach in Tränen aus, nachdem sie die ersten Sätze gesprochen hat und sagte: „Lea, ich glaube mir hat noch nie im Leben jemand wirklich zugehört. Es hat mich noch nie jemand wirklich wahrgenommen. Danke!“

Eine neue innere Haltung

Die innere Einstellung durch die wahre, heilsame Begegnungen möglich werden ist im Grunde sehr einfach. Es gibt weder komplizierte Techniken, die du anwenden musst, noch musst du unzählige Schritte gehen. Doch gerade diese Einfachheit ist in unserer heutigen hoch komplexen Welt etwas, das wir erst wieder üben müssen.

Gedanken und Vorstellungen beiseitelegen

Du beginnst die Begegnung, in dem du dir deine Gedanken bewusst machst und sie beiseite legst. Vielleicht möchtest du dich auf deinen Atem konzentrieren und wahrnehmen, wie alle Gedanken nach und nach in den Hintergrund rücken.

Präsent werden

Werde präsent. Deine Präsenz beginnt immer mit der Wahrnehmung deines Körpers. Spüre deine Füße auf dem Boden, nimm deinen gesamten Körper wahr. Alle deine Wahrnehmungen und Gefühle sind willkommen. Auch unangenehme Gefühle wie Aufregung, inneres Durcheinander oder Stress nimmst du einfach nur wahr. Du versuchst nicht ein perfekter Mensch zu sein und in ein perfektes Gefühl zu kommen, sondern du erlaubst dir dort präsent zu werden, wo du wirklich bist.

Zuhören

Wenn dein Gegenüber zu sprechen beginnt und sein Anliegen schildert, erlaube dir einfach nur zuzuhören. Ohne Kommentar, ohne zu versuchen eine Lösung zu finde. Verwandle dich in einen liebevollen offenen Raum in dem alles sein darf, was dein Gegenüber mitgebracht hat. Erlaube dir, nicht zu wissen wie die Lösung für dein Gegenüber aussieht.

Dich von deiner inneren Weisheit leiten lassen

Lässt du dich auf das Zuhören ein, gibt es einen Moment der Stille den du erreichst. Entweder hört dein Gegenüber von alleine auf zu sprechen, oder du gibst das Signal, dass du das Anliegen verstanden hast. Achte auf deine inneren Impulse und lasse dich von ihnen leiten. Atme weich und spüre die entstehende Lösung. Nimm den natürlichen Fluss wahr, der in Richtung Lösung führt und folge ihm. Tue das, was den natürlichen Fluss der Veränderung unterstützt.

choaching-sitzungen-leicht3

Die professionelle Maske ablegen

So oft wird uns vorgemacht, dass wir als Coach oder Berater immer wissen sollen, was zu tun ist. Wir sollen die Antworten haben, noch bevor jemand fragt. Wir sollen mitschreiben, Notizen machen und unser Gegenüber in fünf verschiedene Kategorien einteilen und zehn Krankheitsbilder diagnostizieren, während derjenige spricht und sein Anliegen schildert.

Hilft uns die Lawine von altem, gespeicherten Wissen wirklich?

Wenn wir jeden Menschen allein durch den Filter von alten Gedanken und Mustern wahrnehmen, sind wir jemals in der Lage jemanden wirklich zu sehen? Sind wir bereit für eine größere Lösung, wenn wir unsere alten vorgefertigten Lösungsansätze bereits in der Tasche haben?

Für mich ist jede Begegnung mit einem Menschen wie Fallschirmspringen. Klar kannst du im Flugzeug sitzen bleiben und dich krampfhaft an alten Sicherheiten festhalten – doch dann erlebst du nicht das, wonach du dich eigentlich sehnst.

Deine wahre Größe kann nicht zum Vorschein kommen, wenn du die Maske eines professionellen, starken, allwissenden Lehrers trägst. Die Maske die wir tragen, die so cool und so professionell scheinen soll – sie ist es, die unsere wahre Größe verschleiert.

Beginners Mind

Im Zen-Buddhismus gibt es den wundervollen Begriff „Beginners mind“. Ich habe den Eindruck, das kommt dem was ich beschreiben möchte sehr nahe. Der kindliche, entspannte Verstand, der nicht mit Wissen vollgestopft ist, sondern Raum bietet für eine tiefere Weisheit.

Ich liebe das Zitat von Pema Chödrön, einer buddhistischen Lehrerin: „Wisdom ist what works in that situation.“ Übersetzt auf Deutsch: „Weisheit ist das, was in dieser Situation funktioniert.“ So einfach. So wahr.

Meinem Gefühl nach gibt es in jedem Augenblick die weise Antwort, einen weisen nächsten Schritt und einen weisen Impuls zu handeln. Doch ich bin überzeugt dass unser Verstand alleine nicht das richtige Werkzeug ist, um diese Weisheit zu erkennen.

Wir müssen bereit sein, unseren Verstand beiseite zu legen und tiefer einzutauchen in unser Sein. Dort tauchen von ganz alleine neue Antworten, Impulse und liebevolle Lösungen auf. Weisheit entsteht im Jetzt. In jedem Augenblick neu.

Weisheit sagt dir: „Mach einen Witz, das ist genau das, was dein Gegenüber braucht.“ Sie sagt dir: „Stopp, hier verbirgt dich ein tiefer Schmerz. Sei jetzt ganz achtsam und lass deinem Gegenüber Zeit.“ Weisheit zeigt dir wie wundervoll der Mensch wirklich ist, der dir gerade gegenüber sitzt.

Und das Schönste ist: Du wirst niemals ein gelangweilter, genervter Coach der das Gefühl hat jeden Tag hundert Mal genau dasselbe erzählen zu müssen. Wie oft sitze ich da und höre mir selbst staunend zu und denke: „Wow, das ist ja richtig interessant. Da wäre ich nie drauf gekommen.“ 🙂

Natürlich haben auch gelerntes Wissen oder Techniken die wir uns angeeignet haben einen Platz in unserer Coaching-Tätigkeit. Doch das sind eher Baumaterialien, die unsere tiefere Weisheit in uns auf immer wieder neue Weise verwendet.

choaching-sitzungen-leicht4

Verwandle deine Begegnungen

Die innere Haltung die ich hier beschreibe dient dir nicht nur innerhalb von einer Coaching-Sitzung. Du wirst bemerken, dass alle Begegnungen mit anderen Menschen auf diese Weise reichhaltiger und erfüllender werden.

In der Partnerschaft

Viele berichten dass in langjährigen Beziehungen der Zauber und die Anziehung verloren gehen. Das liegt daran, dass wir unserem Partner nicht mehr begegnen, sondern nur den Gedanken, Vorstellungen und Konstrukten in unserem Verstand, die sich im Lauf der Jahre gebildet haben. Lassen wir den Verstand beiseite und begegnen unserem Partner wirklich, werden wir erleben, wie Nähe sich immer wieder neu entwickelt und die Beziehung lebendig bleibt.

Mit deinen Kindern

Wenn wir als Eltern unseren Kindern begegnen und so viele Dinge im Kopf haben, die wir an ihnen und uns selbst ändern wollen, wird das Miteinander manchmal anstrengend. Probiere aus, deinen Kindern ab und zu auf diese offene Weise zu begegnen, so als würdest du sie zum allerersten Mal wahrnehmen. Du wirst staunen, wie heilsam diese Begegnung für alle Beteiligten sein können.

In Konfliktsituationen

Es ist anstrengend, wenn wir uns mitten in einem Konflikt mit jemandem befinden. Meistens haben beide Seiten das Gefühl, Recht zu haben und prallen dadurch oft sehr hart gegeneinander. Probiere aus, in Auseinandersetzungen für einen Moment alle Gedanken und Vorstellungen beiseite zu legen und deinem Gegenüber wirklich zu begegnen. Das sind oft Momente, wo in scheinbar ausweglosen Situationen unser Herz berührt wird und auf einmal eine Lösung möglich wird, die für alle Beteiligten gut ist.

Die Schönheit eines Menschen aushalten

Wer im Coaching-Bereich arbeitet, wird schnell feststellen wie negativ viele Menschen über sich denken. Wir können im Halbschlaf unsere größten Schwächen aufzählen und eine Liste machen mit allem, was uns an uns selbst nervt oder stört.

Doch wer sich auf eine wirkliche Begegnung mit einem anderen Menschen einlässt und offen ist, wird sehr schnell wahrnehmen, dass hinter den Mauern der Selbstverurteilung etwas leuchtet und strahlt, das immer schon da war.

Wie oft saß ich tränenüberströmt da (da hat es manchmal wirklich einen Vorteil wenn man Telefonsitzungen gibt) und war einfach nur zutiefst berührt von einem Menschen. Hinter all dem, was so verletzt, so wütend, so frustriert oder einsam ist, leuchtet eine weise Seele.

Als Coach haben wir die Aufgabe, Wahrhaftigkeit sichtbar zu machen.

Dein Job ist es, an deine Klienten zu glauben, wenn sie ihren Glauben an sich selbst verlieren. Dein Job ist es, ihrer natürlichen Entwicklung zu vertrauen, wenn sie kein Vertrauen haben. Dein Job ist es, deine Klienten wirklich zu sehen – vor allem wenn sie sich übersehen.

Liebe und Motivation

Die wahre Begegnung mit unseren Klienten ist zutiefst motivierend. Wenn du eine wundervolle Seele wahrnimmst, die ein einzigartiges Potenzial in sich trägt, erwacht der Wunsch, etwas zu tun um dieses Potenzial sichtbar zu machen.

So verschwinden auch die alten Rollen von Coach und Klient, Lehrer und Schüler. Denn auf der tiefsten Ebene sind wir alle Menschen, die ein Potenzial in sich tragen, das sich entfalten möchte. Wir unterstützen uns gegenseitig.

So bringt dich die ehrliche, einfache Begegnung mit einem Klienten immer wieder zurück zu dir selbst. Du wirst daran erinnert, warum du hier bist und welche Aufgabe du hast. Du wirst inspiriert und angeregt deinen nächsten Schritt zu gehen.

Wer alles gibt – der bekommt auch alles zurück.

So wird jede Begegnung zur Bereicherung.

Jeder Schritt zu einer Einladung.

Jeder Moment ein Geschenk.