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Hingabe – Vertrauen in das Leben

Hingabe war lange Zeit ein Fremdwort für mich. Als moderne junge Frau wollte ich mit Hingabe nichts zu tun haben.

Doch dann machte ich eine Erfahrung die mich dazu eingeladen hat, die heilsame Kraft der Hingabe für mich zu entdecken.

Wie Hingabe mein Seelen-Business, meinen Körper und meine Partnerschaft verwandelt hat, das teile ich heute mit dir.

Eine ungeplante Erfahrung

Wenn ich zurückblicke auf mein Leben gibt es viele Momente, die mich eingeladen haben meinem Leben zu vertrauen und Hingabe zu üben.

Eine besonders einschneidende Erfahrung kam, als ich ein paar Monate lang immer wieder einen intensiven neuralgischen Schmerz in meiner linken Gesichtshälfte hatte. Als der Schmerz das erste Mal eingeschlagen hat, wusste ich zunächst gar nicht, was los ist. Es waren keine Kopfschmerzen, der Schmerz war viel, viel, viel intensiver. Dann vermutete ich, dass der Schmerz von meinen Zähnen kommt, doch auch das war nicht der Fall.

Bevor der Schmerz auftauchte bemerkte ich eine leichte Spannung rund um meinen Kopf und dann auf einmal begann mein Gesichtsnerv zu glühen wie Feuer. Es war als würde der Blitz in meinem Gesicht einschlagen.

Auch wenn es inzwischen mindestens sieben Jahre her ist, ich kann immer noch fühlen, wie der Schmerz mich lahmgelegt hat. Als der Schmerz so richtig in Fahrt kam, lag ich auf dem Boden. Mir liefen die Tränen aus den Augen und die Spucke aus dem Mund, den ich nicht mehr richtig bewegen konnte.

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Der Kommentar im Verstand

Und es war nicht nur der körperliche Schmerz der schwer auszuhalten war. Schlimmer war der innere Kommentar, der in meinem Kopf ablief: „Na Lea, das war wohl nichts mit deinem Weichen Atmen! Ha, schau dich an, da liegst du wimmernd auf dem Boden! Du bist ja wirklich ein tolles Vorbild für andere, du kriegst ja nicht einmal deinen eigenen Körper in den Griff…“

Tatsächlich fühlte sich jede Schmerzattacke an wie eine Demütigung. Als würde mir das Leben einen Holzknüppel überziehen und sagen: „Das hast du verdient!“

In den schlimmsten Momenten wenn der Schmerz meine ganze Wahrnehmung füllte, begann die Realität zu verschwimmen. Ich sah mich in einer mittelalterlichen Folterkammer in der mir auf meiner linken Gesichtshälfte mit einem glühenden Eisen ein Hexenzeichen eingebrannt wurde. Ich sah eine Bombe explodieren die meine linke Gesichtshälfte wegriss. Ich sah ein Schwert das meine Wange aufschlitzte.

Je mehr ich diese Bilder wahrgenommen habe, wurde mir klar, dass der Schmerz der da zum Vorschein kommt, ein ganz alter Schmerz ist den ich lange Zeit in meinem Inneren getragen habe.

Durch das tiefe Tal wandern

Wenn ich ganz ehrlich war, wollte ich den Schmerz einfach loswerden. Ich war zutiefst verunsichert von diesem Schmerz, denn was sollte ich tun, wenn ich während einer Coaching-Sitzung oder einem Live-Seminar von diesem Schmerz überfallen werde. (Beides ist mehrfach passiert.)

Ich hatte das Gefühl, nicht mehr sicher zu sein in meinem Körper. Ich konnte mich nicht mehr darauf verlassen zu funktionieren und stark zu sein. Das schlimmste für mich war, dass der Schmerz mich regelrecht in die Knie zwang und mich so schwach machte, dass ich wie ein hilfloser Wurm auf dem Boden lag.

Ich versuchte alles.

Ich setzte meine ganze Kraft ein.

Ich suchte die Hilfe und Unterstützung von anderen.

Nichts hat geholfen. Der Schmerz kam immer noch alle paar Wochen und stürzte mich in eine tiefe Verzweiflung. Jedesmal wenn es losging sagte ich „Oh nein, bitte nicht schon wieder. Nein, nein, nein…“ Und dann ging es los.

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Der Wendepunkt

Einmal lag ich in unserem Schlafzimmer auf dem Boden als der Schmerz gerade seinen Höhepunkt erreichte. Ich konnte nichts mehr tun als nur noch daliegen. Auf einmal spürte ich, wie mich etwas an meiner Hand schnuffelte.

Es war Noah, unser Hund, der meine Hand berührt hat. Er war ganz, ganz behutsam und mir kamen sofort die Tränen. Es war als hätte er mein Herz geöffnet, ich konnte nicht mehr hasserfüllt und voller Abwehr bleiben, ich öffnete mich und wurde ganz weich.

Noah legte sich neben mich und schaute mich mit großen seelenvollen Augen an. Es war als würde er sagen: „Ja, hier liegen wir jetzt. Und es ist alles okay.“ Mir liefen immer noch die Tränen runter und ich merkte dass tatsächlich alles okay ist.

Nach einigen Sekunden stutzte ich und bemerkte voller Staunen, dass der Schmerz weg war. Das gibt es doch nicht!

Normalerweise dauerte eine Schmerzattacke immer beinahe eine Stunde. Diesmal war der Schmerz nach wenigen Minuten komplett verschwunden.

„Noah mein Bester – was hast du mit mir gemacht?“, fragte ich ihn.

Im Nachhinein weiß ich genau, was in dem Moment geschehen ist. Er hat mich eingeladen, meinen Kampf gegen den Schmerz aufzugeben. Und als ich weich und offen war konnte die riesige Welle von Schmerz ganz leicht durch mich hindurch fließen.

Wer hätte das gedacht, dass mein kleiner vierbeiniger Freund mir den Schlüssel geben kann, den mir weder Ärzte noch andere Experten geben konnten?

Hingabe ist der Schlüssel

Ab diesem Moment übte ich jedesmal wenn der Schmerz auftauchte, innerlich Ja zu sagen. Ich atmete weich und sagte mit jedem Atemzug Ja. Ich übte jeglichen Widerstand jeglichen noch so kleine Verkrampfung in meinen Muskeln loszulassen. Und je mehr ich mich hingeben konnte, umso schneller ließ der Schmerz nach.

Nach einigen Wochen änderte sich meine Einstellung zu meinem Schmerz komplett. Was vorher eine verhasste Tortur für mich war, wurde zu einer spannenden Erfahrung aus der ich sehr viel lernen konnte.

Im Nachhinein weiß ich, dass diese Erfahrung den Grundstein gelegt hat für meine Beziehung zur Hingabe. Denn in einer Welt in der man schon früh lernt, dass Weichheit und Offenheit die dümmsten Eigenschaften sind, die man haben kann, beginnt man hart zu werden. Man versucht alles zu kontrollieren. Man versucht stark zu sein. Man versucht Schmerz zu vermeiden. Man versucht immer zu funktionieren.

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Wie sich mein Leben wandelte

Hingabe war ein Wort, das in meinem Leben nicht existierte. Doch wie meine Erfahrung mir zeigte, gab es Momente in meinem Leben, die genau diese Fähigkeit von mir verlangten. Es gab Probleme die sich nicht durch Stärke, Härte oder Kampf beseitigen ließen, sondern durch das genaue Gegenteil – durch Hingabe.

Je mehr ich Hingabe übte, umso mehr spürte ich, wie diese neue Fähigkeit auch andere Bereiche meines Lebens bereicherte.

Denn wenn man immer versucht stark zu sein, dann sammelt sich mit der Zeit eine große tiefe Müdigkeit an. Es ist anstrengend immer stark sein zu müssen. Und Hingabe zeigte mir, dass ich mich sinken lassen darf, dass etwas da ist das mich trägt. Hingabe zeigte mir, dass es eine Liebe gibt, die für mich sorgt.

Es war als hätte mir diese einschneidende Erfahrung einen Teil des Lebens sichtbar gemacht, der zuvor unsichtbar war. Ich wurde vollständiger.

Hingabe im Business

Besonders mein Seelen-Business wandelte sich, als ich begonnen habe, Hingabe zu üben. Vorher wollte ich alles planen und alles selbst in die Hand nehmen, was oftmals zu einem Gefühl von Stress führte.

Doch als ich begonnen habe, in den Momenten in denen ich nicht wusste wie es weitergeht, mich hinzugeben und mein gesamtes Business mit hinein sinken zu lassen in den Halt, zeigte sich etwas Erstaunliches.

Auf einmal spürte ich die Unterstützung und die Hinweise von einer tieferen Ebene. Ich fühlte mich wie eine Welle die kurz eintaucht in den Ozean und sich dann wieder erhebt. Dieses Eintauchen war sehr erholsam für mich, für einen Moment, legte ich alle Pläne und Ziele und Probleme beiseite und fühlte nur, dass ich und mein Business gehalten werden.

Diese neue innere Gewohnheit war der Wendepunkt in meinem Business. Auf einmal spürte ich, wie mein Erfolg ins Fließen kam!

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Hingabe in der Beziehung

Auch meine Partnerschaft hat sich durch das Üben von Hingabe verwandelt. Da ich schon sehr früh in meiner Jugend sehr negative Erfahrungen mit dominanten Personen machte, die mir ihren Willen aufgezwungen haben und Macht über mich ausübten, war ich absolut allergisch dagegen, mich von jemand anderem führen zu lassen.

Mich einzulassen auf die Führung von jemand anderem – selbst wenn es nur darum ging zu entscheiden wo wir essen gehen – war unmöglich für mich. Ich wollte immer alles selbst in der Hand haben, wollte immer wachsam sein um mich zu schützen.

Und natürlich ist es für einen Partner nicht immer unbedingt angenehm, wenn er so kritisch und misstrauisch bewacht wird, als wäre er ein Schwerverbrecher 😉 Je mehr ich Hingabe übte, lernte ich in den Bereichen die ich bewusst wählte, die Führungsrolle abzulegen.

Ich lernte zu genießen wie schön es ist, nicht immer alles selbst im Griff zu haben. Ich konnte meinen Partner Matthias eigentlich erst richtig wahrnehmen, als ich begann, mich damit sicher zu fühlen, wie er Bereiche unseres gemeinsamen Lebens gestaltete.

Hingabe im Körper

Die Hingabe auf der körperlichen Ebene erlaubt mir, den tiefen Schmerz in meinem Gesicht zu verwandeln. Tatsächlich, nach einigen Monaten war es kein Schmerz mehr, sondern nur noch eine intensive Welle von Energie die durch mich fließen konnte und mit der Zeit ganz verebbte.

Ich bemerkte, dass ich in meinem Körper eine ständige Grundspannung hatte, die ebenfalls alles im Griff haben wollte. Ich spürte meinen Willen, den ich meinem Körper aufgezwungen hatte. Diese Härte konnte nun schmelzen.

Ich übte meinem Körper zu vertrauen und mich einzulassen auf seine Weisheit. Tatsächlich konnte ich erst dann wahrnehmen, dass mein Körper von ganz alleine in die Heilung strebt. Auf einmal war der Körper nicht länger mein Feind, sondern ein liebenswerter Partner.

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Urvertrauen – das Vertrauen in die Güte des Lebens

Ich glaube in der heutigen Zeit lernen viele Menschen schon ganz früh das Misstrauen in das Leben. Das Leben zeigt sich uns hart, grausam und verständnislos. Wir beginnen zu glauben, dass wir in einer zufälligen Welt leben und zufälligen Schicksalsschlägen ausgesetzt sind. Wir lernen uns in einen stacheligen Igel zu verwandeln, der sich gegen das Leben schützt.

Das Leben wird unser Feind.

Der Körper verspannt sich.

Die Gedanken kreisen.

Wir fühlen uns wie fremde in einer fremden, feindlichen Welt. Und das tut weh.

Wenn wir Hingabe üben, dann erlauben wir uns, rückwärts hineinzufallen in das Leben. Wir geben den Kampf auf. Wir geben es auf, immer alles im Griff haben zu wollen. Unsere harten Schultern schmelzen. Unser Atem wird weich. Wir geben nach. Etwas Erstaunliches geschieht.

Dort wo wir immer vermutete haben, dass der böse Drache auf uns lauert und uns auffrisst, dort wo wir dachten dass wir in einen dunklen Abgrund stürzen – genau dort wartet das Leben mit offenen Armen darauf, uns wieder zu halten.

Ist es nicht seltsam, dass ich mich erst monatelang von starken Schmerzen foltern lassen musste, bevor ich nachgeben konnte? Ist es nicht seltsam, dass ich solche Angst davor hatte, mich einzulassen auf mein Leben?

Doch in dem Moment als alle anderen Werkzeuge wirkungslos waren, alle Notausgänge blockiert waren, konnte ich eintauchen in die Hingabe. Ich konnte loslassen und spüren, dass ich nicht ins Leere falle. Ich fiel in die Arme meiner Seele, mitten hinein in diese Liebe die mich trägt.

Es war als würde meine Seele zu mir sagen: „Hallo Liebes, da bist du ja wieder!“

Heute weiß ich, dass die Heimkehr in unser wahres Sein nicht davon abhängt wie stark und schlau wir sind. Es geht nicht darum, wie vollkommen oder unvollkommen unser Körper ist, Es geht auch nicht um Erfolg oder Misserfolg in der Businesswelt.

Der Weg nach Hause beginnt dort, wo wir uns hingeben.

Hingeben an das Leben.

Hingeben an die Liebe.

Hingeben an das was ist.