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Warum Loslassen momentan so wichtig ist

Immer wieder gab es Zeiten in meinem Leben, in denen es wichtig war, loszulassen. Doch in den letzten Wochen erlebe ich einen Loslassprozess der tiefer geht als alles was ich bisher erlebt habe.

Ich möchte mit euch teilen, warum das Loslassen gerade in Moment so heilsam und wichtig für uns ist. Wie können wir uns vertrauensvoll auf diesen Prozess einlassen?

Falls du gerade mitten drin bist in deinem eigenen Loslassprozess möchte ich dir Mut machen und einige Tipps mitgeben, die das Loslassen erleichtern.

Warum halten wir fest?

Wenn du mich vor einigen Jahren gefragt hättest, ob ich mich für jemanden halte, der vieles festhält, hätte ich bestimmt „Nein“ gesagt.

Doch inzwischen hat mich mein innerer Weg zu immer wieder neuen Schichten in meinem Inneren geführt, wo ich deutlich spürte: „Ich halte krampfhaft an etwas fest. Und dieses krampfhafte Festhalten ist es, das mich hindert mich zu entfalten.“

Meistens halten wir nicht bewusst an etwas fest, sondern das Festhalten ist eine innere Einstellung, an die wir uns gewöhnt haben. Wir sagen nicht bewusst: „Ich will meine Schultermuskeln verspannen“ – und doch merken viele Menschen, dass ihre Schultermuskeln dauerhaft angespannt sind.

Unsicherheit oder Geborgenheit

Meiner Erfahrung nach beginnt unser tiefes Festhalten immer dann, wenn wir uns unsicher fühlen. Schon vor unserer Geburt beginnen wir wahrzunehmen, ob wir sicher oder unsicher sind – indem wir die Gefühle und die innere Einstellung unserer Mutter erfahren. Später sind es unsere eigenen Erfahrungen, die uns entweder das Gefühl der Geborgenheit oder der Unsicherheit vermitteln.

Leider reicht es nicht, einem Baby zu sagen: „Es ist alles okay, du musst dir keine Sorgen machen.“ Denn gerade in der frühen Kindheit lernen wir nicht durch unseren logischen Verstand sondern viel mehr über unseren Körper, unsere Emotionen und die Stimmungen in denen wir aufwachsen.

Je mehr die Erwachsenen in unserer Umgebung innerlich unsicher und am Festhalten waren, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir genau dieselbe innere Verkrampfung übernommen haben.

Loslassen – so geht es

Wenn wir bewusster werden und uns dafür entscheiden, den liebevollen Weg in unserem Leben zu beschreiten werden wir sehr schnell entdecken, wo wir noch festhalten.

Für mich ist der Weiche Atem so ein Geschenk, denn im Fluss des Atems nehmen wir deutlich wahr, wo wir verkrampft festhalten.

Oftmals hatte ich das innere Bild, dass mein Atem wie Wasser durch meinen Körper strömt und all die Verhärtungen in meinem Inneren sind wie kleine Eisberge, die langsam zum Schmelzen gebracht werden.

Da unser inneres Festhalten aus der Angst geschieht, können wir immer erst dann Loslassen, wenn wir uns sicher und geborgen fühlen. Loslassen ist eine natürliche Reaktion auf das Gefühl von Sicherheit.

Was möchte losgelassen werden?

Jede innere Entwicklung ist verbunden mit einem Loslassen. Wir lassen etwas los an dem wir lange fest gehalten haben. Manchmal sind es kleine Dinge, die wir loslassen, doch manchmal sind es auch große. Hier ist einiges, was wir loslassen dürfen:

Pläne loslassen

Du kennst das vielleicht auch, dass es gerade in den letzten Jahren immer schwerer ist, feste Pläne zu machen. Die Zeit scheint immer schneller zu werden und was sich innerlich bewegt wird immer mehr – wer kann da noch feste Pläne einhalten? Ich finde es heilsam Pläne zu machen, aber gleichzeitig auch ein Gefühl für den natürlichen Fluss des Lebens zu entwickeln. So wie ein Gärtner am Anfang des Jahres Pläne schmiedet, aber dann doch vom Wetter abhängig seine Pläne immer wieder abstimmen muss. Mit der Zeit merken wir, dass unsere kleinen Pläne Teil von einem viel größeren Plan sind, in dem sich unser Leben entwickelt.

Ziele loslassen

Es ist schön Ziele zu haben. Doch nicht immer sind unsere Ziele noch stimmig für uns. Manchmal tragen wir Ziele und Vorstellungen mit uns herum, die gar nicht mehr zu uns passen und uns daran hindern, uns wirklich auf unseren Weg einzulassen. Wenn du dich seit Jahren damit quälst, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, was in Wirklichkeit gar nicht zu dir passt, lass es los. Wenn wir unsere Ziele hin und wieder loslassen, merken wir von alleine, welche Ziele bestehen bleiben weil wirklich etwas dran ist und welche sich auflösen oder in etwas völlig Neues verwandeln.

Inneren Widerstand loslassen

Manchmal fühlen wir uns gebremst in unserer eigenen schöpferischen Kraft. Wir können uns zu nichts aufraffen und alles fällt unheimlich schwer. Das sind die Momente in denen wir unseren inneren Widerstand sehr deutlich spüren können. Wir spüren die innere angezogene Handbremse. Die Lösung ist nicht, dass wir mit Gewalt versuchen diesen Widerstand zu brechen. Jede Form von innerem Widerstand basiert auf Angst. Mit jedem weichen Atemzug können wir beginnen, die Eisberge unserer Angst zum schmelzen zu bringen.

Den Kampf ums eigene Überleben loslassen

Jedes innere Festhalten ist immer verbunden mit der Angst vor dem Sterben. Diese Angst ist die Wurzel von allen anderen Ängsten in unserem Leben. Je tiefer wir in die inneren Schichten unseres Festhaltens eindringen, umso mehr begegnen wir der reinen Überlebensangst. Das sind Ängste, die meistens so tief sind, dass wir sie als reine Panik, als inneren Druck oder einfach ein unerträgliches Gefühl erleben. Genau da können wir beginnen weich zu atmen und den Kampf um unser Überleben loslassen. Je mehr wir den Überlebenskampf loslassen, umso mehr erfahren wir das reine, fließende Leben.

Durch das tiefe Tal des Loslassens

Viele erwachende Menschen gehen durch Phasen ihrer inneren Entwicklung, in denen die Angst ums eigene Überleben sehr laut wird. Auf einmal kann man nicht mehr schlafen, fühlt eine unglaubliche innere Unruhe oder erlebt immer wieder Momente von Panik.

Zunächst denken wir vielleicht, dass diese intensiven Erfahrungen ein negatives Zeichen sind. Wir versuchen vielleicht sogar, die Ängste zu beseitigen und neue Verhaltensweisen zu trainieren. (Das ist ein wenig so als würde man versuchen die Schaumkronen auf einer Tsunami-Welle anders anzuordnen.)

Mir hilft die Erkenntnis, dass alles was nicht wirklich im Einklang mit dem Fluss des Lebens ist, sich früher oder später lösen muss. Unser Festhalten, unsere inneren Verkrampfungen, unser Kampf ums Überleben – all das sind angstvolle Reaktionen. Es sind Verhaltensweisen und innere Muster, die uns vom Fluss des Lebens trennen, die uns erstarren lassen.

Für mich ist das innere Erwachen der Versuch des Lebens, uns wieder zurück zu unserer wahren Natur zu führen. Die weichen Wellen unseres Atems lösen die verhärteten Schichten in unserem Inneren auf. Die verkrampfte Haltung schmilzt. Unser wahres Sein wird befreit.

Natürlich werden

Wenn eine Phase des Loslassens auf dich zukommt, ist das meistens nichts besonders angenehm. Doch wenn du dich einlässt auf alles was sich da in deinem Inneren lösen möchte, wirst du staunend bemerken, dass du durch jede Phase des Loslassens freier wirst.

Manchmal spürt man körperlich, dass man sich auf einmal fließender bewegt, dass Gelenke und Muskeln befreiter sind. Manchmal merkt man, dass die eigene Kreativität viel intensiver und freier fließen kann. Manchmal merkt man es an einer inneren Leichtigkeit.

Wir werden einfacher.

Wir werden leuchtender und so viel echter.

Wir werden kindlicher, sorgloser, entspannter.

Wir werden stärker.

Mich macht jede Runde des Loslassens darauf aufmerksam, dass hinter all den Schichten von Härte und Festhalten etwas auf uns wartet, dass sich wunderschön anfühlt.

Wir brauchen nichts Neues zu erfinden, sondern dürfen einfach all das loslassen, was die Wahrhaftigkeit bisher verdeckt hat.

Das wahre Sein das tief in uns verborgen war, darf ans Licht kommen.