Kennst du das Gefühl, wenn du genau weißt, was gut für dich wäre?
Mehr Bewegung, gesünderes Essen, endlich dieses eine Projekt starten. Du spürst es in deinem Herzen, deine Seele flüstert dir zu: „Jetzt wäre der richtige Moment.“ Und trotzdem bleibst du wie gelähmt sitzen. Die Tage vergehen, die Wochen ziehen vorbei, und der innere Kritiker wird immer lauter. „Ich bin einfach zu faul. Ich schaffe es nie. Was stimmt nicht mit mir?“ Vielleicht hast du irgendwann sogar aufgegeben und dir gesagt: „Das ist wohl nichts für mich.“
Diese Erfahrung teilen so viele von uns. Wir nennen es Prokrastination, Aufschieberitis oder einfach „nicht in die Pötte kommen“. Doch was, wenn ich dir sage, dass hinter diesem Verhalten keine Faulheit steckt? Was, wenn dein Körper dir damit etwas Wichtiges mitteilen möchte? In diesem Beitrag möchte ich mit dir eine völlig neue Perspektive auf dieses Thema teilen – eine Perspektive, die dein Nervensystem in den Mittelpunkt stellt und dir zeigt, wie du mit Sanftheit statt Gewalt in ein heilsames Tun findest.
Ich kenne diese innere Blockade aus meinem eigenen Leben nur zu gut. Als Kind habe ich gelernt, Dingen auszuweichen. Gesprächen, Herausforderungen, unangenehmen Aufgaben. Meine Überlebensstrategie war das Vermeiden. Formulare wanderten von einer Seite des Schreibtischs zur anderen, bis die absolute Deadline kam. Erst dann, in letzter Sekunde, konnte ich handeln. Und ich bin damit nicht allein. Wenn ich Seminare ankündige, melden sich die meisten Menschen nicht am ersten Tag an, sondern in den letzten zwei Stunden vor Anmeldeschluss. Dieses Muster ist so menschlich, so verbreitet – und es hat tiefere Wurzeln, als wir denken.
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Die verborgene Weisheit deines Nervensystems
Wenn wir nicht ins Tun kommen, liegt das selten an mangelnder Willenskraft. Unser Nervensystem arbeitet nach einer uralten Logik, die unser Überleben sichern soll. Stell dir vor, dein Körper ist wie ein weiser Wächter, der ständig die Umgebung scannt: Bin ich sicher? Kann ich hier aktiv werden? Oder muss ich mich schützen?
Dein Nervensystem kennt drei grundlegende Reaktionen auf Bedrohung. Zuerst versucht es zu kämpfen oder wegzulaufen. Das ist die Aktivierung deines sympathischen Nervensystems – dein inneres Gaspedal. Doch wenn die Bedrohung zu groß ist oder zu lange anhält, wenn Kampf und Flucht keine Option sind, dann greift dein Körper zur letzten Strategie: der Bewegungslosigkeit. Dieser sogenannte Freeze-Zustand ist wie ein Notfallprogramm. Du wirst unsichtbar, ziehst dich nach innen zurück, erstarrst.
In diesem Zustand ist es nicht möglich, klar zu denken, Entscheidungen zu treffen oder aktiv zu werden. Du bist wie eingefroren. Und hier liegt der Schlüssel: Wenn du in diesem Moment versuchst, dich mit Gewalt in die Aktivität zu zwingen, machst du alles nur schlimmer. Es ist, als würdest du ein verängstigtes Tier anschreien und erwarten, dass es dir vertraut. Dein Körper braucht etwas ganz anderes – er braucht Sicherheit, Wärme und Verständnis.
Die fehlende Landkarte in deinem Nervensystem
Manchmal liegt die Aufschieberitis nicht nur am Freeze-Zustand. Manchmal fehlt uns schlicht die innere Landkarte. Stell dir vor, du schaust auf eine Karte und da ist eine weiße Fläche. Du weißt nicht, was dort ist. Ein Loch? Ein See? Ein Berg? Eine Stadt? Instinktiv weichst du davor zurück, weil das Unbekannte Gefahr bedeuten könnte.
Genauso ist es in deinem Nervensystem. Wenn du als Kind nie begleitet wurdest, wie man Schritt für Schritt ins Tun kommt, wenn niemand deine Hand genommen und dich durch diese fünf Phasen geführt hat, dann ist da einfach nichts. Eine leere Fläche. Und dein Körper weicht davor zurück.
Doch hier kommt die wunderbare Nachricht: Du kannst das nachholen. Was dir in der frühen Kindheit gefehlt hat, darfst du jetzt entwickeln. Du darfst Teile deiner Entwicklung nachholen, damit ein robustes, stabiles Fundament für dein Leben in dir entstehen kann.
Im aktuellen Morgenlicht-Podcast zeige ich dir, wie wir neue heilsame Wege in die Aktivität bahnen können.
