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Entwicklungstrauma heilen mit der Seelenmama

Heute endet die Anmeldung zum Lichtsprung Onlineworkshop! Daher geht es im Podcast heute nochmal um das Trauma-Thema.

Wenn über Trauma gesprochen wird, denken viele Menschen an einzelne dramatische Erfahrungen, z.B. einen Unfall, Gewalt… Doch es gibt eine andere Form von Trauma, die uns über einen langen Zeitraum hinweg prägen kann.

Entwicklungstrauma kann entstehen, wenn unsere allerersten Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Wenn wir keine sichere Bindung zu unserer Bezugsperson aufbauen können, wenn wir uns nicht sicher gefühlt haben oder wenn wir vernachlässigt wurden.

Entwicklungstrauma hinterlässt tiefe Spuren in unserem Inneren. Wir können das innere Fundament unseres Lebens nicht entwickeln. Es fehlt uns Urvertrauen, es fehlt uns die Fähigkeit Beziehungen zu führen, in der Mitte zu sein oder in unserem Körper präsent zu sein.

Attachement & Attunement

Damit ein Mensch auch wirklich zum Mensch werden kann, braucht er gerade in der ersten Phase seines Lebens eine Menge Unterstützung. Was wir wirklich brauchen, kann man nicht in einem Laden kaufen. Und gerade in unserer oberflächlich so reichen westlichen Welt, bleiben die tiefsten Bedürfnisse oftmals unerfüllt.

Ein Baby, das in unserer Welt aufwächst, hat oberflächlich betrachtet alles. Ein tolles Kinderzimmer, Kinderbett, tolle Kleider, Eltern die tausende von Ratgebern gelesen haben und sich manchmal komplett überfordern in ihrem Wunsch, alles richtig zu machen.

Doch was Kinder auf der tiefsten Ebene brauchen, kann man nicht kaufen – und es ist etwas, das wir nur geben können, wenn wir es selbst bekommen haben!

Attachement (Bindung)

Das erste Bedürfnis, das schon im Mutterleib entsteht, ist der Wunsch nach Bindung. Das kleine Wesen möchte jemanden finden, der es wahrnimmt, an den es sich binden kann. Eine Wärme, eine Präsenz – jemand liebevolles soll da sein. Schon lange vor der Geburt möchte eine Bindung zwischen Mutter und Baby entstehen.

Es beeinflusst die ersten Wahrnehmungen unseres Lebens, ob eine stabile Präsenz da ist, die uns willkommen heißt und uns erlaubt, eine tiefe Bindung einzugehen. Spürt ein Baby die liebevolle Präsenz und den energetischen Dialog zur Mutter, beginnt es sich wohl zu fühlen, sich sicher zu fühlen und auf seine Entwicklung einzulassen.

Ist die Mutter überfordert, hat sie selbst keine Bindung erleben dürfen, leidet sie unter Depressionen oder Ängsten, oder lebt sie in schweren Verhältnissen die belastend sind, kann sich diese Bindung manchmal nicht stabil entwickeln. Das bedeutet, dass die tiefste Erfahrung Einsamkeit, Unsicherheit und Leere sind. Wenn ein Baby keine Bindung entwickeln kann – zieht sich innerlich zurück und versucht sich zu schützen.

Attunement (Wahrgenommen & Versorgtwerden)

Das zweite Bedürfnis beginnt nach der Geburt. Jetzt will das neue Menschenkind wahrgenommen und versorgt werden. Dabei geht es um das tiefe Wahrnehmen und Erfüllen der Grundbedürfnisse des Kindes. In der frühen Lebensphase brauchen wir viel Einfühlungsvermögen von unseren Bezugspersonen, viel Körperkontakt, Nahrung und eine Menge Fürsorge.

In unserer westlichen Welt sind wir oftmals weit weg von unserer ursprünglichen, instinkthaften Natur. Wir sind bestimmt von fremden Rhythmen, sind oft im Verstand und orientieren uns an äußeren Maßstäben.

Es gab eine Weile die Mode, Kinder nur zu bestimmten Uhrzeiten zu stillen. Doch in der frühen Lebensphase brauchen Kinder unsere Bereitschaft, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Statt zu sagen: „Die Uhr sagt, dass du keinen Hunger hast“, brauchen Kinder unsere Bereitschaft, sie wahrzunehmen und zu beobachten, dass es Tage gibt an denen sie öfter und mehr Hunger haben – und andere Tage, an denen sie weniger Hunger haben.

Ältere Generationen haben manchmal von Fachleuten geraten bekommen, ihre Kinder schreien zu lassen, weil das angeblich dazu führen würde, starke und selbständige Kinder zu erzeugen. Leider hinterlassen solche unmenschlichen und unnatürlichen Techniken oftmals tiefe Wunden in unserem Inneren. Ein Baby wird unabhängig, wenn es in der frühen Phase vollkommen abhängig sein darf. Ein Baby lernt erst durch Körperkontakt, Nähe und Fürsorge, zur Ruhe zu kommen und selbständig einzuschlafen.

Warum entsteht Entwicklungstrauma?

Wenn wir erlebt haben, dass unsere eigenen Grundbedürfnisse nicht erfüllt wurden, dann ist es (ohne eine Menge Heilarbeit) nicht möglich, unseren Kindern das zu geben, was sie brauchen.

Wenn du erlebt hast, wie schmerzlich es ist, keine Bindung zu deiner Mutter entwickeln zu können, trägst du den Schmerz und die innere Verzweiflung aus deiner eigenen frühen Kindheit im Körper. Wenn du selbst Kinder bekommst, wird dein eigener Schmerz dadurch erneut angerührt. Es ist wie eine offene Wunde, die durch dein Baby auf einmal täglich berührt wird und das erschwert es natürlich sehr, die Bindung zu deinem Kind zu entwickeln oder dich mit so viel Körperkontakt und Nähe wohl zu fühlen.

Vielleicht spürt man sogar, dass das Kind ständig etwas von einem will, ständig nach etwas drängt – und man ist der Verzweiflung nahe, weil man zwar alles tut was man kann, und trotzdem reicht es nicht aus.

Auch wenn wir es gut meinen und uns die größte Mühe geben – letztendlich kann unser Körper nur das geben, was er bekommen hat bzw. was wir z.B. durch Traumatherapie selbst entwickelt und geheilt haben. Umso wichtiger, dass wir unser Entwicklungstrauma erkennen – und heilen.

Ich kann mich nicht erinnern

Oftmals entdecken wir unser Entwicklungstrauma lange Zeit nicht, weil sich unsere Fähigkeit, uns konkret an die Ereignisse und Erfahrungen unseres Lebens erinnern zu können, erst mit 3 – 4 Jahren entwickelt. Deshalb gehen wir manchmal davon aus, dass wir nichts erlebt haben – oder wir verlassen uns auf die Erzählungen unserer Bezugspersonen, die uns berichten, wie sie diese ersten Jahre unseres Lebens erfahren haben.

Doch auf einer tieferen Ebene des Körpers speichern wir auch in den ersten Jahren unserer Existenz alles, was wir erfahren. Diese Erinnerungen stehen nicht in einem logischen Zusammenhang und wir können sie meistens nicht greifen und genau benennen, doch sie beeinflussen unser Leben.

Wenn wir beginnen, die Gefühle und Körperwahrnehmungen zu beobachten, die unser Leben begleiten, stellen wir oftmals fest, dass gerade die frühe Phase unseres Lebens (vor der Geburt – 3. Lebensjahr) uns entscheidend prägen.

Ein Beispiel für die Auswirkung unserer frühen Lebensphase ist z.B. das Gefühl, im Nichts zu schweben und ganz alleine zu sein. Diese Erinnerung könnte aus der Zeit vor deiner Geburt stammen, wenn du keine oder keine ausreichende Bindung zu deiner Mutter entwickeln konntest.

Auch Phasen von Hoffnungslosigkeit, Depression, Überforderung und Momente von Panik oder Wut können aus der frühen Phase unseres Lebens stammen. Diese Gefühle sind oft sehr intensiv, es gibt kaum logische Erklärungen dafür und wir fürchten uns meistens davor.

Wann es okay ist, abhängig zu sein

Es ist manchmal deprimierend, sich mit Entwicklungstrauma zu beschäftigen, denn es ist eine Form von Trauma, die wir nicht aus eigener Kraft heilen können. Als kleines Baby sind wir abhängig von anderen Menschen. Wenn sie uns nicht geben konnten, was wir so dringend brauchten, können wir das was uns fehlt nicht aus eigener Kraft ergänzen.

Ein Baby kann sich nicht selbst halten.

Ein Baby kann sich nicht alleine Liebe schenken.

Ein Baby kann seine eigenen Bedürfnisse nicht erfüllen.

Wir brauchen eine Liebe, die uns trägt, die uns wahrnimmt, die uns nährt und für uns sorgt. Das Baby entwickelt sich durch das Annehmen dieser Liebe.

Was ich auf meinem Heilungsweg immer wieder erlebe ist, dass es 2 Ebenen von Realität gibt. Die eine Ebene beinhaltet das, was wir tatsächlich erlebt haben und die andere Ebene beinhaltet das, was wir auf der tiefsten unschuldigsten reinsten Ebene hätten erleben können. Das schönste, größte und beste Potenzial, das sich oftmals nicht oder nicht vollständig erfüllen konnte.

Statt unter der Vergangenheit zu leiden, können wir uns schrittweise mit der tieferen Ebene der Realität verbinden. Die Liebe, die ich damals nicht bekommen habe, wartet noch immer darauf, mich endlich erreichen zu dürfen. Der Halt den ich nicht bekommen habe, wartet darauf, mich halten zu dürfen.

Die Arbeit mit der Seelenmama

Ich arbeite gerne mit der Vorstellung der Seelenmama – natürlich auch mit dem Seelenpapa, aber ich beschränke mich jetzt mal auf das Beispiel der Seelenmama.

Was ist die Seelenmama?

Das ist deine ideale Mama.

Eine Mama, die kein eigenes Trauma hatte, die nicht eingeschränkt war durch ihren eigenen Schmerz und in der Lage ist, eine stabile Bindung aufzubauen und für dich zu sorgen.

Diese Mama ist keine reine Vorstellung oder ein Wunschbild – sondern deine Seelenmama ist die tiefere Ebene deiner eigenen Realität, die sich bisher noch nicht ausdrücken konnte. Je mehr du dich mit ihr verbindest und je mehr Liebe du von ihr annimmst, umso mehr füllen sich die Lücken deiner eigenen Entwicklung.

Das wackelige Fundament wird stabil.

Die ewige Unruhe endet und Frieden wird möglich.

Wenn du dich mit der Seelenmama verbindest erlaubst du, dass sie in deine Einsamkeit, deine Haltlosigkeit, deinen Hunger oder deine Verzweiflung kommt und dir genau das schenkt, was du jetzt brauchst. Du stellst es dir nicht vor, sondern du erlebst es. Du spürst die Wärme. Du spürst die Nähe. Du spürst die Fürsorge.

Die Arbeit mit Krafttieren

Manchmal wurden wir von den wichtigen Menschen in unserem Leben so tief verletzt und so sehr im Stich gelassen, dass wir nicht in der Lage sind, mit der Seelenmama zu arbeiten. Wir können uns nicht dafür öffnen, dass eine liebevolle menschliche Präsenz in unser Leben kommt und uns die fehlende Liebe schenkt.

In diesem Fall kann es sehr heilsam sein, dich mit einem (oder mehreren Krafttieren) zu verbinden und ihre Hilfe anzunehmen.

Ich konnte erleben, wie Klienten von mir durch eine intensive Heilung gehen konnten, sobald eine große kraftvolle Bärenmama sie beschützte und ihren Raum für sie verteidigt hat. Das Gefühl, sich an eine große schützende und liebevolle Tiermama zu kuscheln, kann fehlende Entwicklungsschritte ermöglichen.

Da wir ein ähnliches Nervensystem haben wie andere Säugetiere, gibt es viele Parallelen zwischen uns. Tiere können uns zeigen, „wie es eigentlich sein sollte“. Deshalb berührt es uns, wenn wir Tiermamas mit ihren Jungen beobachten – wir sehen etwas, das uns tief im Inneren vertraut ist.

Achtung vor der „Schuldfalle“

Immer wenn ich über diese tiefen Zusammenhänge zwischen Mutter und Kind spreche, gibt es einige, die selbst Kinder haben und beginnen, sich schuldig und schlecht zu fühlen. Ich war keine gute Mutter, ich konnte meinem Kind nicht alles geben, was es gebraucht hätte.

Entwicklungstrauma betrifft nicht nur deine Kinder – sondern auch dich selbst.

Meistens hast du deinen Kindern eine etwas bessere Version von dem gegeben, was du selbst erlebt hast.

Stell dir Entwicklungstrauma wie einen Ort vor an dem du aufgewachsen bist. Vielleicht bist du mitten drin in sehr intensivem Entwicklungstrauma aufgewachsen und hast sehr viele leidvolle Erfahrungen gemacht. Selbst wenn du im Lauf deines Lebens ein paar Mal umgezogen bist, kann es sein, dass deine Kinder immer noch am Stadtrand des Entwicklungstraumas aufwachsen mussten. Sie hatten es besser als du, aber sie waren nicht wirklich an einem völlig anderen Ort.

Erst in den letzten Jahrzehnten erwacht ein Verständnis über diese Zusammenhänge. Ich glaube, dass es daran liegt, dass eine grundlegende Veränderung im menschlichen Bewusstsein stattfindet. Wir erwachen, werden bewusster und beginnen das Trauma unserer Vergangenheit zu lösen. Doch was wir damals nicht wussten, konnten wir eben auch nicht ändern.

Niemand lebt sein Trauma freiwillig. Niemand steht morgens auf und sagt: „Ach, heute will ich mein Kind traumatisieren.“ 😉

Es sind Dynamiken, die lange bevor es dich überhaupt gab begonnen haben. Und ja, du hast die Chance diese Dynamik schrittweise zu beenden! Und das Schöne ist, wenn du dein Trauma auflöst, dann wirkt es sich in alle Richtungen deiner Ahnenreihe aus. Du heilst die Vergangenheit – aber auch deine Kinder, die Zukunft wird davon berührt. Selbst wenn deine Kinder bereits erwachsen sind, wirst du spüren, dass durch deine innere Heilung auch ihnen etwas Gutes tust.

Gib dir also bitte keine Schuld für das Dilemma, sondern sei stolz auf dich, dass du bereit bist, dich diesem Thema zu stellen und Veränderung geschehen zu lassen!

Lichtsprung Onlineworkshop

Der 6-wöchige Lichtsprung Onlineworkshop, der vom 14. Oktober – 24. November 2019 stattfindet, möchte dir auf behutsame Weise die Grundzüge von Traumaheilung vermitteln. Du entdeckst, wie sich deine unerlöste Vergangenheit in deinem Leben bemerkbar macht und wie du sie erlösen kannst. Der Onlineworkshop vermittelt dir klärende Informationen und praktische Übungen, die du selbst anwenden kannst.

Bis zum 17. September kannst du dich zum ermäßigten Frühbucherpreis anmelden!

Infos & Anmeldung hier

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Viel Freude beim Hören –
Liebe Grüße,

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